Datum13.07.2026 13:47
Quellewww.zeit.de
TLDRDie dritte Hitzewelle des Sommers trifft Westeuropa. Extremhitze, verstärkt durch den Klimawandel, führt zu gesundheitlichen Problemen, über 10.000 Tote in Europa im Juni. Schutzmaßnahmen umfassen ausreichende Flüssigkeitszufuhr, Schatten, Vermeidung von Spitzenbelastungen und Kühlung der Wohnräume. Langfristig ist die Abkehr von fossilen Brennstoffen entscheidend zur Eindämmung der Erderwärmung und zukünftiger Hitzewellen.
InhaltAuf Deutschland kommt die dritte Hitzewelle des Sommers zu. Es wird wohl nicht die letzte bleiben. Wie schützen wir uns? Und worauf müssen wir uns in Zukunft einstellen? Für viele Teile Deutschland ist in dieser Woche eine erneute Hitzewelle angekündigt. Nach der ungewöhnlich frühen Hitze Ende Mai und den Extremtemperaturen Ende Juni mit etwa 10.000 Toten in Europa ist es bereits die dritte Hitzewelle des Sommers. Wie schützt man sich und andere vor der Hitze? Und was kann die Gesellschaft gegen Extremwettereignisse tun? Fragen und Antworten. Eine international einheitliche Definition des Begriffs Hitzewelle existiert nicht. Allgemein wird darunter eine Phase von mehreren Tagen und Nächten verstanden, in denen extrem hohe Temperaturen herrschen. Diese Extremwetterereignisse schaden nicht nur der Gesundheit, sondern auch Ökosystemen und der Infrastruktur. Sie werden durch den menschengemachten Klimawandel immer häufiger und destruktiver. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) definiert eine Hitzewelle als mindestens drei aufeinanderfolgende Tage, an denen die Höchsttemperaturen mindestens 28 Grad beträgt und über dem sogenannten Klima-Schwellenwert liegt, der Klimadaten seit den 1960er Jahren verrechnet. Extreme Hitze kann zum Tod führen, indem sie einen Hitzeschlag verursacht oder Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen verschlimmert. Ältere Menschen gehören zu den am stärksten gefährdeten Gruppen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) starben infolge der Hitzewelle in der letzten Juniwoche mehr als 10.000 Menschen in Westeuropa. Mehr als 9.000 von ihnen waren über 65 Jahre alt. Zudem kommt es wegen Extremhitze zu zahlreichen Verletzungen. Das Statistische Bundesamt registriert jedes Jahr durchschnittlich rund 1.400 Krankenhausbehandlungen, etwa wegen Hitzeschlägen oder Sonnenstichen. Hinzu kommen Erkrankungen, die sich in Kombination mit Hitze verschlimmern, aber nicht in der Statistik vorkommen. Ebenso verhält es sich mit den zahlreichen Fällen von Schwindel, Kopfschmerzen, Erschöpfung und Kreislaufbeschwerden, die nicht medizinisch dokumentiert werden. Laut einer Forsa-Umfrage für die DAK-Gesundheit leidet fast jeder dritte Mensch in Deutschland unter gesundheitlichen Hitzefolgen. Am häufigsten treten Symptome wie Müdigkeit, Schlafprobleme, Kreislaufbeschwerden und Kopfschmerzen auf. Frauen sind doppelt so häufig betroffen wie Männer. Laut der Umfrage nahmen diese Gesundheitsprobleme in den vergangenen drei Jahren um zehn Prozentpunkte zu. Wenn die Körpertemperatur eines Menschen auf über 40 Grad ansteigt und der Körper sich nicht selbst herunterkühlt, kann das lebensgefährlich werden. Symptome eines Hitzeschlags sind neben einer erhöhten Körpertemperatur eine heiße, rote, trockene Haut und Herzrasen. Hinzu kommen Schwindel, Übelkeit und Verwirrtheit, manchmal auch mit Krämpfen, Halluzinationen und Erbrechen. Es können auch Schüttelfrost oder ein steifer Nacken auftreten. Oft tritt ein Hitzeschlag zeitversetzt zur Belastungssituation auf. Auch ein anfänglicher Sonnenstich kann sich zu einem Hitzeschlag weiterentwickeln. Ein Sonnenstich macht sich durch Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit und einen erhöhten Puls bemerkbar. Wer sich unsicher ist, ob ein Sonnenstich oder ein Hitzeschlag vorliegt, sollte lieber einmal zu viel den Rettungsdienst rufen als einmal zu wenig. Nachdem der Rettungsdienst verständigt wurde, sollte Erste Hilfe geleistet werden. Die betroffene Person sollte an einen möglichst kühlen, schattigen Ort gelangen, dicke oder enge Kleidung sollte ausgezogen oder zumindest aufgeknüpft werden. Um die Person abzukühlen, darf niemals eiskaltes Wasser verwendet werden. Stattdessen sollte lauwarmes oder leicht kühles Wasser über den Brustkorb gegossen werden. Auch ein feuchtes Tuch im Nacken oder am Kopf kann Linderung verschaffen, bis der Rettungsdienst eingetroffen ist. Bei Bewusstlosigkeit sollte die betroffene Person in die stabile Seitenlage gelagert werden. An heißen Tagen sollte der Körper beim Abkühlen unterstützt werden. Etwa sollte genug Wasser getrunken werden, das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit empfiehlt etwa zwei bis drei Liter über den Tag verteilt. Alkohol, viel Koffein und sehr süße Getränke sollten vermieden werden. Zudem sollte der Körper gar nicht oder nicht zu lange der direkten Sonne ausgesetzt werden. Wer sich in der Sonne bewegt, sollte eine Kopfbedeckung tragen und seine Haut mit leichten Textilien oder Sonnencreme schützen. Aktivitäten wie Einkaufen oder Sport sollten in die kühleren Morgen- oder Abendstunden verlegt werden. Eine kühle Dusche oder ein kaltes Fußbad kann den Körper ebenfalls beim Abkühlen unterstützen. Wenn körperliche oder psychische Erkrankungen vorliegen oder Medikamente eingenommen werden, sollten individuelle Schutzmaßnahmen mit den zuständigen Ärztinnen und Ärzten besprochen werden. Auch andere vulnerable Gruppen wie Senioren, Schwangere oder Kleinkinder müssen besonders geschützt werden. Laut dem Bund sollte die Raumtemperatur 26 Grad nicht überschreiten. Lüften sollte man das Haus oder die Wohnung am besten nachts und frühmorgens, wenn die Temperaturen am niedrigsten sind. Tagsüber kann Stoßlüften notwendig sein, wenn die der Raum sich zu sehr aufheizt. Wenn Räume der Sonne direkt ausgesetzt sind, sollten sie verschattet werden. Am besten funktionieren außenliegende Beschattung an den Fenstern wie Rollläden. Jedes laufende Elektrogerät erzeugt zusätzliche Wärme. Alle Geräte, die nicht akut gebraucht werden wie Drucker, Kaffeemaschine, Lichter oder Fernseher sollten daher ausgeschaltet werden. Ventilatoren kühlen zwar die Raumtemperatur nicht ab, aber der Luftzug auf der Haut hilft dem Körper dabei, herunterzukühlen. Langfristig kann eine gute Isolation und Begrünung auf dem Dach und an den Außenwänden dabei helfen, ein Haus kühl zu halten. Auch schattenspendende Bäume können dabei helfen. In manchen Fällen kann eine Klimaanlage sinnvoll sein, das Umweltbundesamt empfiehlt effektive und geräuscharme Modelle. Je wärmer die Erde wird, desto häufiger und verheerender werden Extremwettereignisse wie Hitzewellen. Die Hitze Ende Juni mit 10.000 Toten wäre ohne den vom Menschen verursachten Klimawandel "praktisch unmöglich" gewesen, teilten Forscherinnen und Forscher des von der EU-Gesundheitsbehörde ECDC und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterstützten Netzwerks EuroMOMO mit. Im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter ist die globale Mitteltemperatur bereits um 1,37 Grad Celsius gestiegen. Dieser Status Quo lässt sich nicht mehr rückgängig machen. Durch ein Ausbremsen der Erderwärmung können jedoch noch schlimmere und häufigere Hitzewellen verhindert werden. Dies ist nach wissenschaftlichen Erkenntnissen nur durch die Abkehr von fossilen Rohstoffen wie Kohle, Öl und Gas möglich, deren Verbrennung Hauptursache für die immer weiter steigenden Treibhausemissionen ist. Derzeit zeigt der Trend jedoch in die entgegengesetzte Richtung: Die Erde erwärmt sich jedes Jahr schneller, 2024 wurde ein neuer Höchstwert an Emissionen erreicht. Ab 1,5 Grad rechnen Forschende mit klimatischen Effekten wie dem Auftauen des Permafrostes, welche die Erderwärmung zusätzlich verstärken könnten. Zeichnet man aktuelle Entwicklungen fort, könnte die Erderwärmung bis zum Ende des Jahrhunderts drei Grad erreichen – und dann noch weiter steigen. Mit Material der Nachrichtenagenturen dpa, AP, AFP, Reuters, epd und KNA