Datum13.07.2026 13:24
Quellewww.spiegel.de
TLDRDer russische Oppositionspolitiker Boris Nadeschdin, kürzlich als "ausländischer Agent" eingestuft und Kriegsgegner, wurde festgenommen. Seine Einstufung schränkt seine Wahlteilnahme ein. Nadeschdin kündigte an, trotz Sanktionen als unabhängiger Kandidat zur Wahl anzutreten. Dies geschieht im Kontext der Unterdrückung von Kritik und Opposition in Russland.
InhaltErst vor wenigen Tagen war der russische Politiker und Kriegsgegner Boris Nadeschdin vom Kreml als "ausländischer Agent" eingestuft worden. Jetzt klingelte die Polizei an seiner Tür. Der liberale russische Oppositionspolitiker und Kriegsgegner Boris Nadeschdin wurde festgenommen. In seinem Telegramkanal heißt es: "Die Polizei ist gekommen. Sie bringen mich zur Polizeidienststelle in Dolgoprudno". Der Grund für die Festnahme ist bislang unbekannt. Erst vor wenigen Tagen war Nadeschdin in die Liste "ausländischer Agenten" aufgenommen worden. Unter anderem wurde ihm der Aufruf zur Teilnahme an ungenehmigten Versammlungen vorgeworfen, wie es in einer Mitteilung des Justizministeriums in Moskau hieß. Mit der Aufnahme in das Register "ausländischer Agenten" kann Nadeschdin nicht mehr an Wahlen teilnehmen. Im März hatte Nadeschdin auf Verbote von Demonstrationen gegen die zunehmende Internetzensur und die Blockade des beliebten Messengerdienstes Telegram in Russland hingewiesen. Der Politiker zeigte sich wenig überrascht. "Es war erwartbar. Vor der Wahl zur Staatsduma versucht man, gefährliche Gegner auszuschalten", schrieb der Oppositionelle auf seinem Telegramkanal. Bereits 2024 hatte Nadeschdin bei der Präsidentschaftswahl kandidiert. Er wurde von der Wahlkommission aber aus formellen Gründen nicht zugelassen. Lesen Sie zu Nadeschdin hier mehr . Wer in Russland als "ausländischer Agent" gebrandmarkt ist, muss mit zahlreichen Nachteilen rechnen. Die Einstufung soll Misstrauen schüren und ihre Arbeit in Russland erschweren. In dem Register des Justizministeriums sind bereits mehr als 1200 Menschen und Organisationen als gelistet, darunter zahlreiche Kremlkritiker, aber auch Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen. Der Kreml hat kritische Medien und die Opposition weitgehend ausgeschaltet. Offene Kritik ist in Russland nicht mehr möglich, viele Kriegsgegner und Kremlkritiker sind im Exil. Die Wahl der Staatsduma, des Parlaments, ist von 18. bis 20. September angesetzt. Nadeschdin hatte zuletzt angekündigt, trotz des Verbots bei der Wahl im September als unabhängiger Kandidat antreten zu wollen. Dafür hatte er Unterschriften gesammelt.