Datum13.07.2026 04:01
Quellewww.zeit.de
TLDRDie Berliner CDU plant, Finanzsenator Stefan Evers zum Spitzenkandidaten für die anstehende Abgeordnetenhauswahl zu ernennen. Evers, der bereits stellvertretender Bürgermeister und seit Kurzem auch Kulturverantwortlicher ist, genießt in der Partei hohes Ansehen. Er gilt als fachlich kompetent und kämpferisch. Evers hat bereitsançois, die Verhinderung einer links-grünen Regierung zu seinem Ziel erklärt. Sein politischer Stil ist sachlich, aber angriffslustig.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Wahlkampf in Berlin“. Lesen Sie jetzt „Berlins Finanzsenator Stefan Evers steht vor neuen Aufgaben“. Die Berliner CDU tauscht ihren Spitzenkandidaten für die Abgeordnetenhauswahl im September aus. Finanzsenator Stefan Evers soll die Aufgabe übernehmen. Der CDU-Landesvorstand kommt am späten Nachmittag zusammen und will darüber entscheiden. Die Erwartungen in der Partei an den 46-Jährigen sind hoch. Wer ist Evers und was hat er vor? Aktuell ist er Bürgermeister, wie der Stellvertreter des Regierungschefs Kai Wegner in Berlin genannt wird. In Personalunion ist er außerdem Finanzsenator und seit dem Rücktritt von Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson (parteilos) Ende April auch für die Kulturverwaltung verantwortlich. Nein, er wurde in Herdecke in Nordrhein-Westfalen geboren, ist in Paderborn aufgewachsen und hat dort Abitur gemacht. Aber in Berlin lebt er bereits seit 1999. Evers hat Rechtswissenschaften an der Universität Potsdam studiert und anschließend als Referent im Deutschen Bundestag für die CDU-Abgeordneten Friedhelm Ost und Werner Kuhn gearbeitet. In der Berliner CDU ist Stefan Evers ein vertrautes Gesicht. Zumindest in der zweiten Reihe hat er im Laufe der Jahre eine Reihe von Aufgaben übernommen und gehört dem Abgeordnetenhaus bereits seit 2011 an. Wenn über die Frage diskutiert wurde, wer in der Landes-CDU für höhere Ämter infrage kommt, ist auch in der Vergangenheit bereits mehrfach sein Name gefallen. Evers startete seine Karriere im Landesparlament gleich als stellvertretender Fraktionsvorsitzender und übernahm diese Aufgabe bis 2018. Anschließend war er bis 2023 parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-Fraktion, von Dezember 2016 bis Herbst 2023 auch Generalsekretär der Landespartei. Evers war bereits Generalsekretär, als Monika Grütters noch CDU-Landesvorsitzende war. Deren innerparteilicher Gegenspieler Kai Wegner löste sie 2019 ab, beließ Evers aber auf seinem Posten. Bei der Wahl 2023 war Evers maßgeblich an der Wahlkampagne beteiligt, die der CDU den Sieg gebracht hat. Wegner holte ihn anschließend als Finanzsenator in die Landesregierung. Evers gilt als loyal und hat sich öffentlich nicht an der Kritik an Wegner beteiligt. Der CDU-Politiker hat den Ruf, fachlich kompetent zu sein, sich in Themen reinzuknien, schnell zu denken und oft auch schnell zu reden. Im Landesparlament referiert er regelmäßig ausgesprochen sachlich zur Finanzpolitik, aber er hat auch eine andere Seite: Politische Gegner schont er nicht, seine Angriffe sind oft scharf formuliert. Im Wahlkampf hat er durchaus auf Samthandschuhe verzichtet. Stimmen aus der Opposition haben ihm oft vorgeworfen, in seinen Reden stets solide Haushaltspolitik zu beschwören, in der Praxis aber eine Rekordverschuldung in Berlin mitgetragen zu haben. Als Teil der schwarz-roten Landesregierung sei er außerdem mitverantwortlich für all das, was in der Hauptstadt schieflaufe. Evers hat sich bereits zu einigen inhaltlichen Schwerpunkten geäußert und zum Beispiel Kritik am kostenlosen Schulessen geübt, für das sich nicht zuletzt SPD-Fraktionsvorsitzender Raed Saleh immer wieder eingesetzt hat. Das darf als Kampfansage an den bisherigen Koalitionspartner verstanden werden. Außerdem hat Evers angekündigt, er werde alles tun, um eine linksgrüne Regierung in Berlin zu verhindern. Scharfe Kritik insbesondere an der Linken ist von Evers in den kommenden Wochen so gut wie sicher zu erwarten. Stefan Evers ist zwar lange in der Landespolitik und überragt allein durch seine Körpergröße viele andere, aber er gehört nicht zu denjenigen, die jeder gleich erkennt, wenn sie um die Ecke kommen. Der CDU-Politiker ist schwul und verheiratet. Er gilt nicht nur berufsbedingt als kulturinteressiert und unter anderem als Filmfan. Am Samstag meldete er sich auf der Plattform X mit dem Hinweis, abends bei den Pet Shop Boys in der Waldbühne sein zu wollen. Der "Berliner Morgenpost" hat er verraten, dass er den Tierpark Friedrichsfelde als magischen Ort empfinde. Seine Favoriten dort sind die Roten Pandas. © dpa-infocom, dpa:260713-930-375230/1