Datum13.07.2026 01:28
Quellewww.spiegel.de
TLDRFrankreich leidet unter der dritten Hitzewelle des Sommers. Ein großer Waldbrand nahe Paris, im Wald von Fontainebleau, hat die Sperrung von Autobahnen und Zugstrecken zur Folge. Zur Bekämpfung des "außerordentlichen" Feuers wurden erstmals Löschflugzeuge aus Südfrankreich eingesetzt. Gleichzeitig mussten aufgrund der Hitze und zur Einhaltung von Umweltauflagen drei Atomreaktoren abgeschaltet und sieben weitere gedrosselt werden.
InhaltFrankreich erlebt die nächste Hitzeperiode dieses Sommers. Nahe der Hauptstadt kämpft die Feuerwehr gegen einen "außerordentlichen" Waldbrand. Auch diverse Kernkraftwerke sind von der Wärme betroffen. Frankreich durchleidet derzeit die dritte Hitzewelle in zwei Monaten – mit teils drastischen Folgen. Im Wald von Fontainebleau rund 50 Kilometer südlich von Paris ist am Sonntag ein Feuer ausgebrochen und hat sich schnell ausgebreitet. Nach Angaben der Feuerwehr wurden zwei Löschflugzeuge aus Südfrankreich in die Hauptstadtregion entsandt. Verkehrsminister Philippe Tabarot teilte mit, wegen des Feuers habe die Autobahn 6 – eine wichtige Verkehrsader in Richtung Süden – teilweise gesperrt werden müssen. Am ersten Ferienwochenende war auch der Bahnverkehr auf der Schnellzugstrecke in den Südosten Frankreichs "gestört", wie Tabarot sagte. Die französische Bahngesellschaft SNCF teilte am Sonntagabend auf ihrer Website mit, Züge vom oder zum Pariser Bahnhof Gare de Lyon hätten bis zu sechs Stunden Verspätung. Das Feuer im Wald von Fontainebleau war am späten Sonntagnachmittag neben der A6 ausgebrochen und breitete sich dann im Wald aus. Die Feuerwehr sprach von einem "sehr heftigen" Brand. Das Ausmaß sei "außerordentlich". sagte der stellvertretende Präfekt der Region, Yannis Bouzar. Rund 400 Feuerwehrleute kämpften gegen die Flammen, die bis kurz vor 23.00 Uhr bereits mehr als 300 Hektar Vegetation zerstört hatten und sich weiterhin ausbreiteten, wie Bouzar vor Journalisten in Arbonne-la-Forêt im Département Seine-et-Marne sagte. Aus Bordeaux und Nîmes wurden zwei Löschflugzeuge geschickt, um die Löscharbeiten zu unterstützen. Eric Brocardi von der französischen Feuerwehr-Vereinigung sagte, es sei das erste Mal, dass Löschflugzeuge aus dem normalerweise trockeneren und heißeren Süden des Landes in die Pariser Region geschickt würden. Zudem seien bereits zwei Feuerwehr-Hubschrauber und ein Überwachungsflugzeug im Einsatz. Zudem wurden in Frankreich wegen der Hitze am Sonntag drei Atomreaktoren vorübergehend heruntergefahren und sieben weitere gedrosselt. Aufgrund der Wetterbedingungen und zur Einhaltung der Vorschriften für die Ableitung von Kühlwasser "und damit zum Schutz der Umwelt" seien Reaktoren in Golfech an der Garonne, in Bugey an der Rhône sowie in Chooz an der Meuse abgeschaltet worden, teilte der Kraftwerksbetreiber EDF der Nachrichtenagentur AFP mit. Zusätzlich seien jeweils zwei Reaktoren in Saint-Alban, in Blayais und Bugey sowie einer in Chooz gedrosselt worden, erklärte das Unternehmen weiter. Ein Reaktor in Tricastin an der Drôme sei vorübergehend gedrosselt worden, laufe aber seit dem späten Nachmittag wieder normal. Mit den Maßnahmen soll verhindert werden, dass während der aktuellen Hitzewelle zu viel warmes Kühlwasser in die ohnehin wärmer werdenden Flüsse abgeleitet wird. Frankreich verfügt über 57 Atomreaktoren, die rund 70 Prozent des Stroms produzieren. Alle befinden sich an Flüssen oder am Meer, nutzen das Wasser zur Kühlung der Reaktoren und leiten es erwärmt in den Fluss oder ins Meer zurück. Um Schäden für die Ökosysteme zu begrenzen, legt die Atomaufsichtsbehörde ASNR für jedes Kraftwerk Höchstwerte für die Wassertemperatur fest. EDF als Betreiber ist verpflichtet, die Leistung seiner Atomkraftwerke unter bestimmten Umständen zu reduzieren. Bereits bei der zweiten Hitzewelle im Juni hatte EDF Reaktoren herunterfahren müssen. Eiffelturm und Louvre machen früher dicht, die Etappe der Tour de France wird verkürzt, es fahren weniger Fernzüge: Frankreich schwitzt und richtet sich auf die dritte Hitzewelle in Folge ein. Mehr hier.