Datum12.07.2026 15:37
Quellewww.spiegel.de
TLDREin mutmaßlicher Brandanschlag auf die Bahnstrecke Düsseldorf-Köln, verübt vom linksextremistischen "Kommando Angry Birds", führte zu erheblichen Störungen. Die Täter legten Brandsätze in Kabelschächten, was zu einem Böschungsbrand führte. Sie bekennen sich zu der Tat auf der Plattform indymedia.org und begründen sie mit der Abwehr von "technologischer Eskalation". Die Strecke wurde repariert, die Ermittlungen laufen auf Hochtouren, da die Gruppe auch für frühere Anschläge verantwortlich gemacht wird.
InhaltBrandsätze im Kabelschacht und ein Bekennerschreiben: Nach dem mutmaßlichen Sabotageanschlag läuft der Zugverkehr zwischen Düsseldorf und Köln wieder. Ermittler haben Hinweise auf mögliche Täter aus dem linksextremistischen Milieu. Für die Ermittler verdichten sich die Hinweise, dass die Brände an einer Bahnstrecke in Nordrhein-Westfalen auf einen Sabotageakt zurückgehen. Der Staatsschutz, zuständig für politisch motivierte Straftaten, hatte bereits am Freitag die Ermittlungen übernommen. Staatsanwaltschaft und Polizei Köln teilten mit, dass die Ermittler mittlerweile davon ausgingen, dass der Brand vorsätzlich gelegt wurde. Zahlreiche Kabel an der Hauptstrecke zwischen Düsseldorf und Köln waren am Freitag durch Feuer in Kabelschächten beschädigt worden. In der Folge kam es auch zu einem Böschungsbrand, der von der Feuerwehr gelöscht wurde. Die gesperrte Bahnstrecke zwischen Düsseldorf und Köln wurde am frühen Samstagabend wieder für Züge freigegeben, der Verkehr rollt nach Angaben der Deutschen Bahn wieder ohne Einschränkungen. "Die Strecke ist vollständig repariert und der Zugverkehr läuft reibungslos", sagte ein Bahnsprecher am Sonntag. Auf der linken Plattform indymedia.org tauchte am Samstagmorgen ein mutmaßliches Bekennerschreiben auf. Es wurde im Namen einer Gruppe namens "Kommando Angry Birds" veröffentlicht. Diese Gruppe wurde bereits mehrfach mit Anschlägen auf Bahnstrecken in Verbindung gebracht. In dem mutmaßlichen Bekennerschreiben teilt das nach einem Computerspiel benannte "Kommando Angry Birds" mit, dass es verantwortlich sei "für die Sabotage der Bahnstrecke nördlich von Leverkusen". Es seien Brandsätze in einem großen Kabelschacht an der nordöstlichen Ecke der Wupperbrücke und in einem schmaleren Schacht deponiert worden. Zum Einsatz seien dabei Timer sowie je ein Liter Grillanzünder gekommen. Als Motiv für den Anschlag wurde ein "Massensterben" durch die "technologische Eskalation" genannt, das aufgehalten werden müsse. Es sei "die Beseitigung der industriellen Technologie geboten". Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur gehen Sicherheitskreise davon aus, dass das Schreiben echt ist. Dass ein technischer Defekt den Böschungsbrand an der Bahnstrecke ausfelös habe, sei wenig wahrscheinlich. NRW-Innenminister Herbert Reul reagierte angefasst auf den Brandanschlag. "Solche Taten sind kein Protest, sondern gezielte Sabotage", sagte der CDU-Politiker. Das treffe den Alltag vieler Menschen und nehme "Kollateralschäden" billigend in Kauf. "Diese Chaoten berufen sich darauf, eine Welt herzustellen, in der es Pflanzen, Tieren und Menschen besser gehe. Und dann verüben sie einen Brandanschlag, ausgerechnet jetzt, wo überall Trockenheit herrscht", sagte Reul. "Allein daran sieht man: Diese Menschen wollen keine bessere Welt. Diese Menschen wollen Chaos. Sie zielen darauf ab, Politik durch Gewalt zu ersetzen. Das akzeptieren wir nicht." Im Bekennerschreiben hatten die mutmaßlichen Täter zuvor geschrieben: "Wir bedauern, dass sich das Feuer geringfügig ausbreiten konnte und danken der Feuerwehr für die Eindämmung. In Zukunft werden wir auf günstigeres Wetter warten." Unklar bleibt, ob es sich dabei tatsächlich um einen Anflug von Selbstkritik handelt oder einfach nur um Zynismus. Die Kriminalpolizei sucht derweil nach Zeugen. Ersten Erkenntnissen zufolge hatten Techniker das Feuer an einer Eisenbahnbrücke, die über die Wupper führt, in der Nähe der Solinger Straße am Freitagvormittag bemerkt und die Feuerwehr alarmiert. Ein Sprecher der Polizei Köln sagte auf Anfrage, dass bei den Reparaturarbeiten ein zweiter Brandsatz rund 200 Meter entfernt gefunden worden sei. Die linksextremistische Gruppe "Kommando Angry Birds" hatte vor etwa einem Jahr auch einen Anschlag auf die Bahnhauptstrecke zwischen Düsseldorf und Duisburg für sich reklamiert. Auch dort waren im Juli 2025 Brandsätze gezündet worden. Tagelang war die wichtige Bahnstrecke gesperrt. Anfang Januar dieses Jahres hatte die Gruppe sich zudem auf einen versuchten Anschlag auf ein Umspannwerk in Erkrath bei Düsseldorf bekannt. Der Anschlag schlug fehl. Innenminister Reul hatte schon vor einem Jahr vor dem "Kommando Angry Birds" gewarnt. "Die hat in den letzten Jahren im Raum Düsseldorf schon mehrfach sabotiert", hatte er Anfang August 2025 gesagt. So seien Anschläge auf Telekommunikationsmasten in Langenfeld-Erkrath und ein Tunnelbrand an der Autobahn 46 auf das Konto der Gruppe gegangen. Die Ermittlungen würden mit hohem Aufwand geführt, seien aber nicht ganz einfach, weil es sich nicht um eine fest gefügte Gruppe handele.