Datum09.06.2026 20:22
Quellewww.spiegel.de
TLDRTaliban-Einheiten lösten in Herat eine Demonstration für Frauenrechte gewaltsam auf. Auslöser war offenbar der Versuch, Frauen wegen Verstößen gegen die Kleiderordnung festzunehmen. Berichten zufolge gab es mindestens einen Toten, Verletzte und Dutzende Festnahmen, darunter auch Mädchen. Die Taliban bestreiten die Festnahmen, während die Uno die Gewalt gegen friedliche Protestierende kritisiert. Seit ihrer Rückkehr an die Macht haben die Taliban die Rechte von Frauen und Mädchen stark eingeschränkt.
InhaltIm Westen Afghanistans protestierten Menschen friedlich für Frauenrechte. Taliban-Einheiten gingen brutal dazwischen und nahmen auch Mädchen fest. Zeugen berichten von mindestens einem Toten. In der westafghanischen Provinz Herat haben Sicherheitskräfte der Taliban eine Demonstration für Frauenrechte gewaltsam aufgelöst. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters und beruft sich auf Augenzeugenberichte. Die Proteste seien demnach ausgebrochen, als Sittenwächter versucht hätten, mehrere Frauen festzunehmen, weil sie sich angeblich nicht an die Kleiderordnung hielten. Ein Mensch sei getötet, mehrere weitere Personen seien verletzt worden. Zudem seien Dutzende Menschen, darunter auch Mädchen, festgenommen worden. Die Taliban-Behörden äußerten sich zunächst nicht zu möglichen Opfern oder Festnahmen. Der Leiter der Sittenpolizei in Herat, Scheich Asisur Rahman Al-Muhadschir, wies Berichte über Festnahmen wegen Verstößen gegen die Vorschrift zur Verschleierung zurück. Seine Inspektoren hätten lediglich Anleitungen gegeben und das Bewusstsein für den islamischen Hidschab geschärft, zitierte ihn die staatliche Nachrichtenagentur Bachtar. Ein Sprecher der Polizei von Herat erklärte hingegen, die Versammlung im Gebiet Dschebrail habe "Spannungen erzeugt" und die öffentliche Ordnung gestört. Einige Anwohner sagten, die Sicherheitskräfte hätten auch Frauen ins Visier genommen, die sich an die Kleiderordnung hielten, die eine vollständige Bedeckung von Gesicht und Körper vorschreibt.Die Vereinten Nationen kritisieren die Anwendung von Gewalt gegen "dem Anschein nach friedliche Protestierende" in Afghanistan. Er sei alarmiert über die heutige exzessive Gewalt in Herat, schrieb der Uno-Sonderberichterstatter für Menschenrechte in Afghanistan, Richard Bennett, auf X. Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung. Bereits am Montag hatte die Uno-Hilfsmission in Afghanistan (UNAMA) ihre Besorgnis über Berichte geäußert, wonach Frauen im Westen des Landes wegen angeblicher Verstöße gegen die Kleidungsvorschriften festgenommen worden seien. Die Taliban erklären ihrerseits, die Rechte der Frauen in Übereinstimmung mit ihrer Auslegung des islamischen Rechts zu respektieren. Seit ihrer Machtübernahme im Jahr 2021 haben die Taliban die Rechte von Frauen und Mädchen massiv eingeschränkt. Dies betrifft alle Lebensbereiche, unter anderem den Zugang zu Bildung, Arbeit und Sport, aber auch die körperliche Unversehrtheit der Frauen, und stößt international auf scharfe Kritik. Sehen Sie hier die SPIEGEL-Shortcut-Folge zum Thema: Frauen und Mädchen leiden besonders unter der Diktatur der Taliban. SPIEGEL-Reporterin Susanne Koelbl hat in Afghanistan recherchiert und berichtet von Hoffnung – trotz Unterdrückung.