Datum09.06.2026 15:46
Quellewww.spiegel.de
TLDRDer Hambacher Forst wird zum Naturschutzgebiet. Land, Kommunen, Umweltschützer und RWE einigten sich auf ein Eckpunktepapier. RWE überträgt den Wald bis 2035 in öffentliche Hand. Er wird als Wildnisentwicklungsgebiet dauerhaft unter Schutz gestellt und verbleibt sich selbst. Zwei Waldverbundkorridore sollen Lebensräume vernetzen. Dies setzt eine Vereinbarung aus dem NRW-Koalitionsvertrag um. Der Wald war bundesweites Symbol im Kampf gegen die Rodung für Braunkohle.
InhaltDer umkämpfte Hambacher Forst wird zum Naturschutzgebiet. Land, Kommunen, Umweltschützer und RWE haben sich auf ein Eckpunktepapier geeinigt. Der Energiekonzern hat zugesichert, den Wald bis 2035 in öffentliche Hand zu übertragen. Der Hambacher Forst soll unberührter Wald werden. Dafür werde er dauerhaft unter Schutz gestellt, teilte das NRW-Umweltministerium mit. Landesregierung, Kommunen, Naturschutz und Landwirtschaft hätten sich mit dem Eigentümer, dem Energiekonzern RWE, auf entsprechende Eckpunkte geeinigt und diese in einer gemeinsamen Erklärung festgehalten. Der Wald zwischen Köln und Aachen wird demnach spätestens 2035 in öffentliches Eigentum überführt und als sogenanntes Wildnisentwicklungsgebiet ausgewiesen. Dafür werde er unter Naturschutz gestellt. RWE werde ihn aber schon vorher nicht mehr forstwirtschaftlich nutzen. Ein Wildnisgebiet ist ein Schutzgebiet, in dem sich die Natur ohne menschliche Eingriffe frei entwickeln kann. In solchen Gebieten findet keine forstwirtschaftliche Nutzung statt. Der Wald wird sich selbst überlassen und kann so zu einem Urwald heranwachsen. Zudem seien zwei Waldverbundkorridore geplant: Der Hambacher Wald werde mit der Steinheide und dem Merzenicher Erbwald verbunden, um Lebensräume für Tiere und Pflanzen zu vernetzen. Damit wird zugleich eine Vereinbarung aus dem Koalitionsvertrag der schwarz-grünen Landesregierung umgesetzt. RWE habe zugesagt, den Hambacher Wald in die öffentliche Hand zu übertragen. Der Hambacher Forst war unter dem Motto "Hambi bleibt" zum bundesweiten Symbol für den Kampf um die Energiewende geworden. Umweltschützer und Aktivisten hatten seit 2012 Baumhäuser errichtet, um die Rodung des Waldes für die klimaschädliche Braunkohle-Verstromung zu verhindern und ihn vor dem anrückenden Braunkohletagebau zu schützen. In einem der größten Polizeieinsätze der Geschichte Nordrhein-Westfalens wurden die Baumhäuser 2018 mit Verweis auf den Brandschutz geräumt. Kurz nach der Räumung im Herbst 2018 verfügte das Oberverwaltungsgericht Münster einen vorläufigen Rodungsstopp. Die endgültige Rettung des Waldes kam durch die politische Einigung: Im Kohle-Kompromiss zwischen Bund, Ländern und Energiekonzernen wurde Anfang 2020 entschieden, dass der Hambacher Forst erhalten bleiben soll. "Mit der heute unterzeichneten gemeinsamen Erklärung besteht die Chance, die ökologische Wiederbelebung der durch die Tagebaue geschundenen Region einen wichtigen Schritt voranzubringen", sagte Holger Sticht, Landesvorsitzender des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND). Damit könne ein wichtiger Beitrag zur endgültigen Befriedung der Region geleistet werden.