Datum09.06.2026 10:57
Quellewww.spiegel.de
TLDRApple kritisiert die EU-Regulierung scharf, da sie die Einführung neuer KI-Funktionen wie das verbesserte Siri auf iPhones in Europa verzögert. Apple begründet dies mit Sicherheitsbedenken und dem Schutz der Privatsphäre, da die EU die vollständige Öffnung für Konkurrenz-KI-Dienste fordert. Dieses Vorgehen der EU wird von Apple als Hindernis wahrgenommen, während Kritiker mutmaßen, Apple wolle so EU-Regulierungen diskreditieren.
InhaltApple wird seine iPhones mit neuen KI-Funktionen aufrüsten, doch deutsche Nutzer müssen auf unbestimmte Zeit warten. Der Konzern gibt europäischen Behörden die Schuld daran. Mit einer Grunderneuerung seiner Siri-Software will Apple nach eigenen Angaben eine Sprachassistentin der Sonderklasse bieten und andere KI-Dienste übertreffen. Doch Nutzerinnen und Nutzer in der EU werden auf absehbare Zeit keinen Zugang zu den Funktionen haben. Der Konzern begründet das mit der europäischen Regulierung und erhebt schwere Vorwürfe gegen Brüssel. "Wir sind sehr frustriert", sagte Softwarechef Craig Federighi im Anschluss an die große Keynote zur WWDC in Cupertino. Der Streitpunkt sind die Forderungen der EU-Kommission, iPhones und iPads für KI-Assistenten anderer Anbieter vollständig zu öffnen. Grund sind EU-Vorschriften gegen sogenannte Gatekeeper, die ihre eigenen Dienste zu bevorzugen. Im Falle von Apple soll so wohl verhindert werden, dass der Konzern seine KI privilegiert anbietet. Der US-Konzern argumentiert dagegen, dass die EU-Vorgaben in diesem Falle die Privatsphäre der Nutzer gefährden würden. Apple hatte auch in der Vergangenheit wiederholt behauptet, dass die europäische Regulierung dafür sorgen würde, dass neue Funktionen in Europa später ausgerollt würden. Kritiker wiederum werfen Apple vor, dass der Konzern mit solchen Argumenten vor allem die für Techunternehmen unliebsame strengere EU-Regulierung bei den Nutzerinnen und Nutzern unbeliebt machen will. Bei der Vorführung der neuen Siri am Montagabend hatte der Konzern großen Wert darauf gelegt, wie nahtlos sich die durch künstliche Intelligenz (KI) verstärkte Siri in den Alltag ihrer Nutzer integriert. Auf der Bühne wurde etwa gezeigt, wie die App Bilder aus dem letzten Familienurlaub heraussucht. Als ein Beispiel einer Frage, die man der neuen Siri stellen könne, nennt Apple etwa: "Wie hieß der Podcast, den mir meine Schwester neulich empfohlen hat?" (Lesen Sie hier mehr über Apples angekündigte KI-Funktionen.) Um dies zu beantworten, muss die Software unter anderem die E-Mail oder Textnachricht kennen, in der der Name des Podcasts gefallen sein könnte, die Unterhaltung richtig verstehen – und zunächst einmal wissen, wer in den Kontakten die Schwester ist. Apples runderneuerte KI könnte hier also den Vorteil ausspielen, dass Apple diese Dienste aus einer Hand anbietet: Danach kann man Siri auch gleich bitten, den Podcast abzuspielen. Apple ist im Wettrennen mit den anderen KI-Anbietern wie OpenAI, Anthropic oder Google deutlich zurückgefallen. Um aufzuholen, dürfte sich das Unternehmen den Vorteil zunutze machen wollen, dass die eigene KI besser mit dem Betriebssystem und den anderen Diensten eines iPhones zusammenarbeiten könnte, als die Dienste anderer Unternehmen. Gleichzeitig könnte Apple durch die Integration aller Dienste theoretisch dafür sorgen, dass die KI-Funktionen vor allem auf dem Gerät ausgeführt werden und die Daten daher besser geschützt wären. Der Streit mit der EU-Kommission scheint sich nun genau darum zu drehen, wie viel Zugang Apple den anderen KI-Diensten auf seinen Geräten bieten muss. Apple habe der Kommission die Risiken eines "wirklich uneingeschränkten" Zugangs von KI-Assistenten anderer Anbieter zum gesamten Betriebssystem und allen Informationen erklärt, sagte Marketingchef Greg Jozwiak am Montag. "Aber sie haben unsere Bedenken komplett zurückgewiesen." Apple habe auch bereits im vergangenen Jahr einen konkreten Vorschlag für eine technische Lösung vorgelegt, mit der aus Sicht des Konzerns die Zugangsanforderungen erfüllt und zugleich der Datenschutz gewahrt geblieben wäre. Die Kommission habe ihn jedoch abgelehnt, ohne sich damit auseinanderzusetzen. Apple argumentiert, die neue KI-Siri sei so datenschutzfreundlich umgesetzt, dass der Konzern selbst dabei keinen Zugriff auf die Informationen der Nutzer bekomme. Dazu werden viele der KI-Funktionen direkt auf dem Gerät ausgeführt, für die Nutzung von Googles Gemini-Modellen etwa hat Apple einen besonders gesicherten Modus Private Cloud Compute eingeführt, der verhindert, dass die Nutzerdaten nach außen dringen. Der Apple-Vorschlag für andere Anbieter sieht demgemäß vor, dass nach einem ähnlichen Muster deren KI-Modelle zwar Anfragen der Nutzer erfüllen, aber keine Daten abschöpfen könnte. Dieser Plan sei weiterhin auf dem Tisch. Apple ist seit geraumer Zeit in einer Dauer-Fehde mit den EU-Regulierungsbehörden. Die Echtzeit-Dolmetscherfunktion für AirPods war in Deutschland etwa nur nach monatelanger Verzögerung erhältlich. Wegen des Streits um alternative App Stores verhängte die EU-Kommission im vergangenen Jahr sogar eine Strafe von 500 Millionen Euro gegen Apple. Zwei Jahre nachdem sie erstmals gezeigt wurde, will Apple im KI-Rennen mit einer intelligenteren Sprachassistentin aufholen. Lesen Sie hier mehr dazu: So will Apple seine iPhones mit einer neuen KI aufrüsten