Großbritannien: Milde Strafen für Teenager nach Vergewaltigung sorgen für Debatte

Datum24.05.2026 12:49

Quellewww.spiegel.de

TLDREin britisches Gericht verhängte Bewährungsstrafen gegen zwei Teenager, die wegen Vergewaltigung und Verbreitung von Videos der Taten verurteilt wurden. Der Richter begründete dies mit dem Alter, der Intelligenz und psychischen Problemen der Täter. Dieses Urteil löste landesweit Empörung und eine öffentliche Debatte aus, da es als zu milde empfunden wird. Die Staatsanwaltschaft prüft nun eine Überprüfung der Strafen.

InhaltZwei Teenager vergewaltigen zwei Mädchen und verbreiten Videos der Taten. Trotzdem verhängt ein Richter nur Bewährungsstrafen – aus Rücksicht auf Alter und Intelligenz der Täter. Viele Briten sind fassungslos. Zwei 15-jährige Jungen werden wegen mehrfacher Vergewaltigung verurteilt, müssen aber nicht ins Gefängnis: Ein erstaunlich mildes Urteil sorgt derzeit in Großbritannien für Aufregung. "Es fühlt sich an wie ein Schlag ins Gesicht", sagte ein Opfer der BBC.  Sie frage sich, warum sie den ganzen Gerichtsprozess überhaupt über sich habe ergehen lassen. "Die Entscheidung des Richters lässt es fast so aussehen, als wäre das, was die Jungen getan haben, zwar nicht in Ordnung, aber vor dem Gesetz schon okay, weil sie noch Kinder waren." Das Mädchen, damals 15 Jahre alt, war am 26. November 2024 in einer Unterführung am Fluss Avon in Fordingbridge, Hampshire, von den zwei damals 14-Jährigen vergewaltigt worden. Sie hatte einen der Täter über Snapchat kennengelernt und sich mit ihm zu einem Treffen verabredet. Dann tauchte sein Kumpel auf. Die beiden filmten ihre Tat. Staatsanwältin Jodie Mittell KC berichtete vor Gericht, Videos der Vergewaltigung seien später herumgeschickt worden und das Mädchen habe Nachrichten erhalten, in denen sie als "Schlampe" beschimpft wurde. Nur zwei Monate später, am 17. Januar 2025, vergingen sich die Jugendlichen an einem weiteren Mädchen. Auch diese Tat filmten sie. In dem Zusammenhang war auch ein 14-Jähriger angeklagt. Er soll einen der beiden anderen angestachelt haben. Gegen alle drei wurden Jugendbewährungsstrafen verhängt. Für die beiden 15-Jährigen beträgt diese drei Jahre mit 180 Tagen intensiver Betreuung und Überwachung, für den 14-Jährigen 18 Monate. Richter Nicholas Rowland bei der Urteilsverkündung Bei der Urteilsverkündung am Donnerstag am Crown Court in Southampton sagte Richter Nicholas Rowland zu den Angeklagten: "Ich muss mir vor Augen halten, dass ihr keine kleinen Erwachsenen seid. Ich muss mir überlegen, wie wahrscheinlich es ist, dass ihr wieder etwas Schlimmes anstellt. Und ich muss dafür sorgen, dass ihr in Zukunft nichts Schlimmes mehr anstellt." Er wolle es vermeiden, "diese Kinder unnötig zu kriminalisieren" und stattdessen "die Hintergründe ihres Verhaltens verstehen" und ihre Wiedereingliederung in die Gesellschaft unterstützen. Sie seien sehr jung, besäßen eine geringe Intelligenz und nur ein begrenztes Verständnis von Einwilligung. Zudem habe Gruppenzwang eine große Rolle gespielt. Einer der 15-Jährigen habe einen IQ im untersten Prozent seiner Altersgruppe und ADHS. Der zweite 15-Jährige leide ebenfalls unter ADHS sowie Angststörungen. Der 14-Jährige habe eine "leichte kognitive Beeinträchtigung". In dem Interview mit der BBC wandte sich die Mutter des ersten Opfers direkt an Premierminister Keir Starmer: "Wenn es Ihre Tochter, Ihre Nichte, Ihr Sohn, Ihr Neffe wäre – wären Sie glücklich mit dem Urteil?" Sie sei es nicht. Das Urteil wurde auch in sozialen Medien und Podcasts vielfach debattiert. Ein Regierungssprecher erklärte, die Generalstaatsanwaltschaft habe "zahlreiche" Anträge auf Überprüfung der Urteile erhalten nach dem "Unduly Lenient Sentences scheme" , einem Verfahren für vermeintlich unverhältnismäßig milde Strafen. "Wir teilen die Bestürzung der Öffentlichkeit über die Einzelheiten dieses schrecklichen Falls, und unsere Gedanken sind in dieser schweren Zeit bei den jungen Opfern", so der Sprecher. "Die Justizbehörden prüfen den Fall derzeit mit größter Sorgfalt und Aufmerksamkeit." Die Polizei- und Kriminalitätsbeauftragte von Hampshire, Donna Jones, bot den Familien der Opfer Unterstützung an: "Dies ist ein äußerst verstörender Fall. Ich bin zutiefst besorgt darüber, dass diese Jugendlichen glaubten, sie könnten solche schrecklichen Taten begehen, sie im Internet veröffentlichen und trotzdem nicht ins Gefängnis kommen."