Nordeuropäische Geschichte: Dannenbergs Waldemarturm: Kein Gefängnis, aber tolle Schau

Datum24.05.2026 05:30

Quellewww.zeit.de

TLDRDie neue Multimediashow im Dannenberger Waldemarturm erinnert an die Gefangenschaft des dänischen Königs Waldemar II. und seines Sohnes 1223-1225. Dieses Ereignis rückte Dannenberg ins Zentrum nordeuropäischer Politik und beeinflusste die Grenzen bis heute. Bauhistorische Untersuchungen ergaben jedoch, dass die Gefangenen nicht im Turm, sondern in einer Vorgängerburg inhaftiert waren, da der Turm erst später erbaut wurde.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Nordeuropäische Geschichte“. Lesen Sie jetzt „Dannenbergs Waldemarturm: Kein Gefängnis, aber tolle Schau“. Mit einer innovativen Multimediashow erinnert die kleine Stadt Dannenberg (Elbe) an großes Geschehen vor 800 Jahren. Im Wahrzeichen und Regionalmuseum der Stadt, dem 33 Meter hohen, trutzig rund gemauerten sogenannten Waldemarturm, erzählt die jüngst eröffnete Dauerausstellung von der Gefangenschaft des Dänenkönigs Waldemar II. und seines gleichnamigen Sohns in den Jahren 1223 bis 1225 in Dannenberg.  Ein Ereignis, das die Stadt vorübergehend ins Zentrum nordeuropäischer Politik setzte. Mit Folgen bis in die Gegenwart: Denn ohne das dramatische Geschehen ständen etwa Schleswig-Holstein und Mecklenburg womöglich noch heute unter dänischer Herrschaft. Der eroberungswütige Waldemar "der Sieger" war mit seinem Sohn in der Nacht vom 6. zum 7. Mai 1223 durch Heinrich Graf von Schwerin von der dänischen Insel Lyö entführt worden. Per Schiff an die deutsche Küste gebracht, versteckte man die beiden in Dannenberg, um hohe Forderungen für ihre Freilassung zu stellen.  Selbst Persönlichkeiten wie Kaiser Friedrich II. und Papst Honorius III. vertraten dabei eigene Interessen. Waldemar kam schließlich gegen die Rückgabe rechtselbischer Gebiete und die Zahlung von Lösegeld frei, den Sohn hielt man noch einige Jahre zurück. Am Ende wurde so die dänische Großmachtstellung im Ostseeraum bis ins Baltikum schwer erschüttert. Einen Wermutstropfen gibt es jedoch zu dem Ausstellungsprojekt, das Geschichte und Akteure in bunten Leuchtbildern an das urige Mauerwerk zeichnet und dazu akustische Informationen liefert, die nach individueller Wahl vertieft werden können. Die Schau, ursprünglich für 2023 geplant, wurde aufgrund geplanter Turmsanierungen und dafür notwendigen wissenschaftlichen Bauuntersuchungen erst jetzt eröffnet. Und das Gutachten der Bauhistoriker Jakob Kayser und Tilo Schöfbeck (Schwerin) besagt, dass Waldemar tatsächlich niemals – wie man in Dannenberg jahrhundertelang glaubte - in dem Turmzimmer gesessen habe.  Das Gebäude sei nämlich erst Jahrzehnte später, zwischen 1250 und 1350, entstanden, lautet das Ergebnis der beiden Experten. Fest stehe allerdings, dass der Herrscher samt Sohn in Dannenberg inhaftiert war – wohl in einer Vorgängerburg auf dem Amtsberg. © dpa-infocom, dpa:260524-930-122364/1