Gaskraftwerke: EU will 12 Gigawatt bis 2031 genehmigen

Datum09.01.2026 16:53

Quellewww.spiegel.de

TLDRDie EU-Kommission plant, Deutschland bis 2031 den Bau von 12 Gigawatt (GW) an neuen Gaskraftwerken zu genehmigen, was weniger ist als ursprünglich von der Bundesregierung gewünscht. Diese Entscheidung, Teil der deutschen Kraftwerkstrategie zur Sicherstellung der Stromversorgung, wird voraussichtlich in Kürze verkündet. Neben Gaskraftwerken soll ein Kapazitätsmechanismus mit insgesamt 29 GW für verschiedene steuerbare Kapazitäten eingeführt werden. Der geplante Neubau soll helfen, den Verlust an gesicherter Leistung durch den Kohleausstieg bis 2038 zu kompensieren.

InhaltIn den Verhandlungen über die deutsche Kraftwerkstrategie gibt es nach SPIEGEL-Informationen eine Vorentscheidung. Die EU-Kommission will dem Bund offenbar deutlich weniger neue Gaskraftwerke zugestehen als gewünscht. Dieser Artikel gehört zum Angebot von SPIEGEL+. Sie können ihn auch ohne Abonnement lesen, weil er Ihnen geschenkt wurde. Bei der sogenannten Kraftwerkstrategie, die Deutschland vor Stromknappheit und Blackouts schützen soll, deutet sich eine Entscheidung an. Nach SPIEGEL-Informationen will die EU-Kommission der Bundesrepublik erlauben, bis 2031 genau zwölf Gigawatt (GW) an steuerbaren Kapazitäten zu bauen. Dabei soll es sich vollständig oder nahezu vollständig um Gaskraftwerke handeln. Die nötigen Ausschreibungen sollen noch dieses Jahr durchgeführt werden. Zusätzlich soll ein sogenannter Kapazitätsmechanismus mit einem Volumen von voraussichtlich 29 Gigawatt geplant sein. Dieser umfasst neben Gaskraftwerken auch alle anderen steuerbaren Kapazitäten – von Batteriespeichern über Biogasanlagen bis zu Fabriken, die bei Stromknappheit die Produktion herunterfahren. Die Einigung sei mit der EU-Kommission fast ausgehandelt, sagen drei Brancheninsider. Der Kompromiss solle in Kürze verkündet werden. Aus dem Wirtschaftsministerium hieß es auf Anfrage, man äußere sich grundsätzlich nicht zu laufenden Verfahren. Da die Verhandlungen noch nicht abgeschlossen seien, stünden auch die Zahlen noch nicht final fest. Mit dem Neubau von Gaskraftwerken will die Bundesregierung den Schutz vor sogenannten Dunkelflauten ausbauen, also länger anhaltenden Phasen mit wenig Strom aus erneuerbaren Quellen. Zuletzt waren in Deutschland Kraftwerke mit einer gesicherten Leistung von gut 90 GW installiert – dazu zählen etwa Gaskraftwerke, Wasserkraft und Biomassekraftwerke, aber auch gut 30 GW an besonders klimaschädlichen Kohlekraftwerken, die bis spätestens 2038 vom Netz gehen sollen. Neue Gaskraftwerke sollen ein Element sein, um den Verlust an gesicherter Leistung zu kompensieren. Die zwölf Gigawatt an steuerbaren Kapazitäten, auf die sich Bundesregierung und Kommission nun offenbar geeinigt haben, entsprechen ziemlich genau der Menge, auf die sich Katherina Reiches Amtsvorgänger, der Grünenpolitiker Robert Habeck, schon Anfang Juli 2024 mit der EU-Kommission grundsätzlich verständigt hatte. Reiche hatte mit Brüssel aber neue Gespräche geführt, offenbar in der Überzeugung, mindestens 20 Gigawatt an neuen Gaskraftwerken aushandeln zu können. Schon Anfang Oktober hatte sich abgezeichnet, dass sie sich damit wohl nicht durchsetzen würde. Seinerzeit räumte Christian Schmidt, der für Strom zuständige Abteilungsleiter im Wirtschaftsministerium, in einer vertraulichen Runde mit den Chefs von Energieunternehmen ein, dass das Wirtschaftsministerium mit der EU-Kommission nur noch über eine deutlich geringere Kapazität verhandle. Teilnehmer berichteten von 12 bis 12,5 Gigawatt (GW). Mitte November hatte sich auch der Koalitionsausschuss vorläufig auf diese Größenordnung geeinigt.