Waffenruhe in Syrien: Kurdische Kämpfer verweigern Abzug aus Vierteln in Aleppo

Datum09.01.2026 14:36

Quellewww.zeit.de

TLDRKurdische Kämpfer in Aleppo weigern sich, ihre Stellungen in den Stadtteilen Scheich Maksud und Aschrafijeh trotz einer vereinbarten Waffenruhe zu räumen. Die Gefechte mit der islamistischen Übergangsregierung führten zu mindestens 21 Toten und etwa 46.000 Vertriebenen. Die USA arbeiten daran, die Feuerpause zu verlängern, während beide Seiten sich gegenseitig für die Eskalation verantwortlich machen. Der Konflikt in Syrien, seit dem Sturz von Baschar al-Assad im Bürgerkrieg, eskaliert weiterhin.

InhaltBis zum Morgen galt in Aleppo eine Feuerpause, die Gefechte zwischen Kurden und Regierungssoldaten beenden sollte. Die Kurden aber wollen Aleppo nicht aufgeben. Entgegen früherer Zusagen wollen kurdische Soldaten ihre Stellungen in umkämpften Vierteln der nordsyrischen Stadt Aleppo nicht räumen. "Wir haben beschlossen, in unseren Bezirken zu bleiben und sie zu verteidigen", teilte der Gemeinderat der Stadtteile Scheich Maksud und Aschrafijeh mit. Jede Form der "Kapitulation" werde abgelehnt. Beide Viertel werden von kurdischen Milizen kontrolliert. Kurdische Kämpfer mit Verbindung zu den Syrischen Demokratischen Kräften (SDF) hatten sich seit Dienstag Gefechte mit Soldaten der islamistischen Übergangsregierung geliefert. Es waren die schwersten Kämpfe seit Sturz von Baschar al-Assad im Dezember 2024. Mindestens 21 Menschen waren während der Gefechte gestorben. Nach Angaben der Vereinten Nationen waren etwa 30.000 Menschen aus den umkämpften Vierteln Aleppos geflohen. Örtliche Behörden sprachen von mindestens 46.000 Vertriebenen. Kurden und Übergangsregierung hatten einander die Schuld für die Eskalation gegeben. In der Nacht zum Freitag hatte das Verteidigungsministerium verkündet, von drei Uhr nachts bis neun Uhr morgens gelte eine Waffenruhe. Bis zu deren Ablauf hatte das Ministerium den kurdischen Kämpfern Zeit gegeben, die Viertel Scheich Maksud, Aschrafijeh und Bani Seid in Aleppo zu verlassen. Der US-Sondergesandte Tom Barrack hatte die Waffenruhe begrüßt. Er hatte gesagt, die USA arbeiteten daran, die Frist über 9 Uhr hinaus zu verlängern. "Wir sind zuversichtlich, dass dieses Wochenende eine dauerhaftere Beruhigung der Lage und einen intensiveren Dialog bringen wird", hatte Barrack auf X geschrieben. Beobachter gehen davon aus, dass die Waffenruhe unter US-Vermittlung erreicht worden war. Die USA unterstützen die Syrischen Demokratischen Kräften (SDF). Die SDF werden von Kurden geführt. Seit dem Sturz von Diktator Al-Assad herrscht in Syrien Bürgerkrieg. Eine islamistische Übergangsregierung kontrolliert die Großstadt Aleppo im Norden. Dort stehen nur noch die Stadtviertel Scheich Maksud und Aschrafijeh unter der Kontrolle kurdischer Einheiten. In einem im März geschlossenen Abkommen war geplant gewesen, zivile und militärische Institutionen der Kurden bis zum Jahresende 2025 in die syrische Zentralregierung und Armee zu integrieren. Die kurdischen Kämpfer hatten zugestimmt, sich aus beiden Stadtvierteln zurückzuziehen.