Datum09.01.2026 13:13
Quellewww.spiegel.de
TLDRForscher haben herausgefunden, dass horntragende Dinosaurier, Ceratopsia, im Europa der Kreidezeit doch nicht fehlten. Sie identifizierten den Ajkaceratops kozmai als Ceratopsia-Art durch die Analyse besser erhaltener Schädelknochen. Diese Funde ermutigen dazu, auch andere europäische Fossilien einer Neubewertung zu unterziehen, da sie möglicherweise ebenfalls zu den Hornsauriern gehören. Experten fordern ein radikales Umdenken über die damaligen Ökosysteme und die Verbreitung dieser Dinosaurierarten in Europa.
InhaltAus dem Europa der Kreidezeit kannte man bislang praktisch keine gehörnten Dinosaurier. Nun fanden Wissenschaftler heraus: Offenbar wurden manche Arten falsch zugeordnet. Für die Forschung bedeutet das ein radikales Umdenken. Es ist bislang ein Mysterium der Paläontologie: Warum sind aus dem Europa der späten Kreidezeit so wenige Dinosaurier aus der eigentlich artenreichen Gruppe der Ceratopsia bekannt? Die horntragenden Tiere, deren bekanntester Vertreter der ikonische Triceratops war, gediehen prächtig in Nordamerika und Asien. Und die Lage der Kontinente zu jener Zeit vor rund 80 Millionen Jahren machte es eigentlich wahrscheinlich, dass Vertreter der Gruppe nach Europa gelangten, das seinerzeit eine Reihe von Inseln war. Bekannt waren aber nur eine Handvoll Fossilien, deren Zuordnung zudem umstritten ist. Eines neu entdecktes Fossili hat ein britisch-ungarisches Forscherteam nun genauer untersucht und die Ergebnisse in der Zeitschrift "Nature " veröffentlicht. Es handelt sich um Knochen eines Ajkaceratops kozmai. Die Art an sich wurde bereits 2010 beschrieben, aber lange war nicht klar, worum es sich bei dem Tier eigentlich handelt: Einige Forscher hielten der Ajkaceratops kozmai für einen gehörnten Dinosaurier, wogegen andere in ihm einen Verwandten des ungehörnten Iguanodon sahen. Das lag auch an den zunächst bekannten Knochen, es gab nur Schädelfragmente eines "frustrierend unvollständigen Exemplars", wie es in der Studie heißt. Bei dem nun untersuchten Knochen handelt es sich um einen in Ungarn neu entdeckten, besser erhaltenen Schädel. Mithilfe von CT-Scans und 3D-Scans gelang es den Forschern, neue Details herauszufinden. Unter anderem zeigte sich, dass das Tier einen scharfen, hakenförmigen Schnabel gehabt haben muss, der gehörnten Dinosauriern aus Asien ähnelte, ebenso wie einen gewölbten Gaumen – was auch ein Merkmal von Ceratopsia-Dinosauriern ist. Letztlich bestimmten die Wissenschaftler Ajkaceratops kozmai als Ceratopsia-Art, die vor rund 84 Millionen Jahren im damaligen Europa lebte, wie das Naturhistorische Museum in London mitteilte . Aber nicht nur das: Die Analysen legten auch nahe, dass weitere Fossilienfunde aus Europa, die zunächst anders zugeordnet wurden, eigentlich zu den Hornsauriern gehören könnten. So identifizierte das Team unter anderem ein Exemplar aus Rumänien, das im Laufe der Jahre in unterschiedlichen Arten kategorisiert worden war, als Ceratopsia-Art und benannte diese in "Ferenceratops" um. Die Ergebnisse bedeuten nach Ansicht der Forscher, dass in Zukunft ein Umdenken in der Forschung notwendig ist: Zwar könne man durch das Ajkaceratops-Fossil nun bestätigen, dass sehr wohl Hornsaurier das kreidezeitliche Europa durchstreiften, sagt Co-Autor Richard Butler von der Universität Birmingham. "Das fordert uns aber auch heraus, unser Verständnis dieser uralten Ökosysteme radikal zu überdenken", so Butler.