Datum09.01.2026 12:33
Quellewww.spiegel.de
TLDRIm Kölner "Tatort" mit Schenk und Ballauf, titled "Die Schöpfung", ermitteln die Kommissare in der von Bauarbeiten geprägten Oper Köln. Nach zwei Morden, unter anderem an einer Waffenmeisterin, die mit einer Requisitenwaffe erschossen wird, entfaltet sich eine sarkastische und musikalische Handlung. Das Drehbuch von Wolfgang Stauch verbindet Death Metal mit klassischer Musik. Die Episode beleuchtet humorvoll die Verstrickungen zwischen Bühnenkunst und echtem Verbrechen. Die Ausstrahlung erfolgt am Sonntag um 20.15 Uhr im Ersten.
Inhalt"Ein Opernsänger ist ein Mensch, der singt statt zu bluten, wenn man ihm einen Dolch ins Herz stößt": Die Kölner Kommissare ermitteln zwischen Tenören und Sopranistinnen – mit Vernehmungen, die wie Musik klingen. Dieser Artikel gehört zum Angebot von SPIEGEL+. Sie können ihn auch ohne Abonnement lesen, weil er Ihnen geschenkt wurde. Eine der größten Kulturbaustellen des Landes ist die Oper von Köln. Seit über zehn Jahren finden die Aufführungen an der Interimsspielstätte in Köln-Deutz statt, während unterschiedlichste Baufirmen am Haupthaus am Offenbachplatz für bislang 1,5 Milliarden Euro rumhämmern und rumbetonieren. Im September soll die Wiedereröffnung sein. Der neue Köln-"Tatort" spielt nun an den beiderseits des Rheins liegenden Orten des Provisoriums. Und wenn man dem Krimi glaubt, geht es dort zu wie auf dem Set des Skandalwesterns "Rust", wo durch den Fehler der Waffenmeisterin ein tödlicher Schuss aus einer Waffe abgefeuert wurde, die eigentlich nicht mit scharfer Munition geladen gewesen sein sollte . Im "Tatort" wird die Waffenmeisterin selbst mit einer Pistole erschossen, die eigentlich nur als Requisite diente. Eine Brünner CZ 75, eine tschechische Armeepistole aus Ostblockzeiten. Der Schuss ging präzise in die linke Herzhälfte. Blut wurde bemerkenswert wenig verspritzt, die Leiche dafür dekorhaft im Bühnenbereich arrangiert. Hier war offenbar ein Opernfan am Werk. Auch Leiche zwei – CZ-75-Einschussloch ebenfalls in der linken Herzhälfte – ist effektsicher in Szene gesetzt. Sie baumelt von der Traverse an der Operndecke. Es handelt sich dabei um den Schuhmacher der Oper, der neben seinen Besohlungsaktivitäten größere künstlerische Ambitionen hatte. Seit 20 Jahren spielte er in der Death-Metal-Band The Manillis, er selbst nannte sich Willi Manilli. Gerade hatte er selbst ein Libretto geschrieben, so ein verschweintes Underground-Ding, bei dem Countertenor-Lamenti auf Death-Metal-Riffs treffen. Titel: "Das Schwein grunzt, als die Königin erschossen wird". Die tote Waffenmeisterin war ebenfalls involviert. Schenk (Dietmar Bär) und Ballauf (Klaus J. Behrendt) fragen sich, ob das Ensemble der Death-Metal-Oper bald weiter ausgedünnt wird. Dieser "Tatort" ist robust sarkastisch im Angang und emotional überschäumend im Abgang. Das Drehbuch stammt von Wolfgang Stauch, Regie führte Torsten C. Fischer. Das Duo verantwortete bereits einige besonders raffinierte Fälle mit Schenk und Ballauf, die in abgehalfterten Künstlermilieus spielten. Etwa den um den Seifenopernschauspieler und Veterinärsdarsteller ("der Arzt, dem die Sauen vertrauen"), bei dem verschiedene Versionen des Jazz-Evergreens "Autumn Leaves" in die Handlung eingeflochten waren. Oder der um eine Schlagersängerin in der Retro-Schleife, wo elegant mit der Wehmutsrhetorik des Genres gespielt wurde . Bei aller Lust am bösen Witz nehmen Stauch und Fischer auch diesmal ihren musikalischen Stoff ernst. Das Libretto zur Death-Metal-Oper samt schwierigen Countertenor-Passagen schrieb Stauch mit dem Filmkomponisten Daniel Hoffknecht. Die meiste Musik stammt aber aus Haydns Oratorium "Die Schöpfung", das trotz der Mordermittlungen von Chor und Orchester geprobt wird. Besonders die erste Hälfte ist behände und mit knackigen Dialogen inszeniert. Die Kommissare ziehen ihre Runden, während Möbel geschoben werden, Wände verputzt werden und Sängerinnen solo oder in größerer Formation tremolieren. Bühnentod und echter Tod sind zuweilen übereinander gelagert. Singend stirbt es sich nun mal am schönsten. Schenk weiß: "Ein Opernsänger ist ein Mensch, der singt statt zu bluten, wenn man ihm einen Dolch ins Herz stößt." Alles ist Kulisse, alles ist Rolle. Dieser heiter-fatalistische Tonfall färbt auch auf die unvermeidlichen Wo-waren-Sie-gestern-Abend-um-halb-zehn-Abfragen ab, die im Kölner TV-Revier nach über 28 Jahren in Betrieb oft besonders mechanisch klingen. An einer Stelle übernimmt einfach eine verdächtige Opern-Mitarbeiterin den Part der Verhörerin und flötet das Frage-Antwort-Protokoll herunter. Vernehmungen, die sich wie Musik anfühlen – dafür hat sich der Opernausflug doch schon mal gelohnt. Die Bewertung: 8 von 10 Punkten "Tatort: Die Schöpfung", Sonntag, 20.15 Uhr, Das Erste Kommissar-Karussell: Alle "Tatort"-Teams im Überblick