Datum09.01.2026 12:28
Quellewww.zeit.de
TLDRDie Stadtwerke fordern die Einrichtung einer nationalen Krisenreserve für Stromausfälle, um die schnelle Wiederherstellung der Stromversorgung innerhalb von 24 Stunden zu gewährleisten. Der Präsident des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU), Ulf Kämpfer, betont die Notwendigkeit einer umfassenden Reserve an mobilen Stromerzeugungsanlagen. Die Maßnahmen sollen bei zukünftigen Angriffen und Störungen der Energieversorgung einspringen. Außerdem wird gefordert, Genehmigungsverfahren im Krisenfall zu verkürzen und Investitionen in resilientere Netzstrukturen zu erhöhen. Ein kürzlicher massiver Stromausfall in Berlin unterstreicht die Dringlichkeit dieser Maßnahmen.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Energieversorgung“. Lesen Sie jetzt „Stadtwerke wollen nationale Krisenreserve für Stromausfälle“. Zur schnelleren Bewältigung massiver Stromausfälle wie in Berlin dringen die Stadtwerke auf die Einrichtung einer nationalen Reserve an Mensch und Material. "Ziel einer nationalen Reserve und entsprechender Kriseninterventionsmaßnahmen im Großschadensfall muss sein, dass der Strom möglichst binnen 24 Stunden provisorisch wieder fließt", sagte der Präsident des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU), Ulf Kämpfer, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Der SPD-Politiker ist auch Kieler Oberbürgermeister. Zwar halten schon heute das Technische Hilfswerk oder die Bundeswehr Generatoren vor. Die vom VKU vorgeschlagene Reserve hätte aber eine ganz andere, viel größere Dimension und könnte deutlich mehr Menschen versorgen. Den Umgang des Berliner Stromnetzbetreibers mit der Krise sowie die Unterstützung aus anderen Landesteilen lobte Kämpfer. Er mahnte aber auch: "Angesichts der geänderten Bedrohungslage und einer neuen Intensität von Anschlägen, die auch in der Zukunft nicht ausgeschlossen werden kann, stehen wir vor einer neuen nationalen Aufgabe." Es gehe um gezielte Angriffe, die eine neue Dimension darstellten. Da die Reparatur zerstörter Stromnetze komplex sei und dauern könne, seien sogenannte Inselnetze häufig die einzige Möglichkeit, kurzfristig eine Notversorgung sicherzustellen, erklärte der VKU. Dabei kämen "Netzersatzanlagen" ins Spiel. Gemeint sind klassische Dieselgeneratoren, aber insbesondere auch größere Anlagen, die mit verschiedenen Brennstoffen arbeiten können und mit Lastwagen transportiert würden. Die vom VKU geforderte "Nationale Reserve Blackout und Krisenintervention" würde Anlagen zur mobilen Stromerzeugung im Umfang von mehreren Hundert Megawatt Leistung umfassen und in regionalen Zentren, die über das ganze Land verteilt sind, vorgehalten werden. Netzbetreiber sollen sie im Krisenfall unkompliziert mit einem Anruf abrufen können. Rechtliche Vorgaben und Kompetenzfragen dürften die schnelle Wiederherstellung der Versorgung dabei nicht verzögern, betonte der VKU. So müssten die normalerweise langwierigen Genehmigungsverfahren für Schwertransporte im Krisenfall deutlich verkürzt werden. Außerdem müsse der rechtliche Rahmen für Stromerzeuger, die im Notfall punktuell einspringen, geklärt werden, da Netzbetreiber nur für den Betrieb des Stromnetzes zuständig sind, nicht aber die Belieferung von Endkunden – diese Verantwortung liegt bei den Versorgern. Darüber hinaus sei es wichtig, die dezentrale Stromerzeugung zu stärken - mit erneuerbaren Energien, Speichern und Kraft-Wärme-Kopplung (KWK). Bei KWK-Anlagen wird die Abwärme aus der Stromerzeugung ebenfalls genutzt. Solche Anlagen müssten weiterhin gefördert werden. Netze müssen aus VKU-Sicht widerstandsfähiger gemacht werden gegen Ausfälle, indem mehr Parallelleitungen (Redundanzen) geschaffen werden und die Leitungen untereinander stärker vernetzt sind. "Die Umsetzung dieser Maßnahmen erfordert erhebliche Investitionen", stellt der Stadtwerkeverband fest, der dafür auf das milliardenschwere Sondervermögen zurückgreifen möchte sowie auf die Ausnahme von der Schuldenbremse für Ausgaben für Landesverteidigung und Bevölkerungsschutz. Nach dem mutmaßlich linksextremistischen Brandanschlag auf eine Kabelbrücke im Berliner Bezirk Steglitz-Zehlendorf waren seit dem vergangenen Samstagmorgen anfangs 45.000 Haushalte und 2.200 Betriebe ohne Strom. Es war nach Angaben des Netzbetreibers der längste Ausfall der Nachkriegsgeschichte in der Hauptstadt. Laut dem Regierenden Bürgermeister Kai Wegner (CDU) waren insgesamt rund 100.000 Menschen betroffen. Berlin hatte am Sonntag eine sogenannte Großschadenslage ausgerufen. Die Versorgung lief an Tag fünf des Ausfalls wieder an, am frühen Mittwochnachmittag waren nach offiziellen Angaben alle Haushalte wieder angeschlossen. © dpa-infocom, dpa:260109-930-520375/1