Proteste im Iran: Ajatollah Chamenei rückt Demonstranten in Nähe der USA

Datum09.01.2026 11:46

Quellewww.zeit.de

TLDRIm Iran werfen Ajatollah Chamenei den Protestierenden vor, von den USA beeinflusst zu werden, und forderte nationale Einheit. Während Proteste gegen die Regierung und deren Wirtschaftspolitik zunehmen, berichten Menschenrechtsorganisationen von mindestens 42 Todesfällen und Tausenden von Festnahmen. Sicherheitskräfte sollen gewaltsam gegen Demonstranten vorgehen, während die Regierung Internetverbindungen unterbrach und Flüge stornierte. Chamenei und andere Regierungsvertreter bezeichnen die Proteste als von "terroristischen Agenten" unterwandert.

InhaltIrans Führer Chamenei suggeriert, hinter den Protesten im Iran steckten Menschen, die von den USA beeinflusst würden. Die islamische Republik müsse ihre Einheit wahren. Ajatollah Ali Chamenei, oberster Führer des Iran, wirft den Demonstranten im Land ​vor, den USA gefallen zu ‌wollen. "Es gibt einige Unruhestifter", die ⁠öffentliches Eigentum zerstörten, um dem US-Präsidenten einen Gefallen tun wollten, sagt er in einer Rede zur Nation. Chamenei forderte die Iraner auf, ihre Einheit zu wahren. US-Präsident ⁠Donald Trump hielt er an, sich auf die Probleme in seinem eigenen Land zu konzentrieren. Trump hatte Irans Führung gedroht, einzuschreiten, sollte sie Demonstranten töten. Unterdessen mehren sich Berichte über Tote. Sicherheitskräfte sollen am Donnerstag auf Demonstrierende geschossen haben. Unverifizierte Videos in sozialen Netzwerken zeigen blutüberströmte Menschen nach einer Kundgebung in einem Vorort nahe der Hauptstadt Teheran.  Die Human Rights Activists News Agency (HRANA) geht mittlerweile von mindestens 42 Menschen aus, die im Zuge der Proteste getötet worden seien. Rund 2.300 Menschen seien festgenommen worden.  Am Freitagmorgen berichtete das Staatsfernsehen erstmals über die Proteste. In dem Bericht war von "terroristischen Agenten" der USA und Israels die Rede, die Brände gelegt und Gewalt ausgelöst hätten. Der staatliche Rundfunk sprach in einem Bericht von Demonstrationen, die "von terroristischen Elementen unterwandert" worden seien. Demonstranten hätten "private Autos der Bevölkerung, Motorräder, öffentliche Einrichtungen wie die U-Bahn sowie Feuerwehrfahrzeuge und Busse in Brand gesetzt", hieß es. Demnach kamen am Donnerstag mehrere Menschen ums Leben, eine Zahl wurde nicht genannt.  Irans Präsident Massud Peseschkian mahnte die Sicherheitskräfte zur Zurückhaltung. Laut der Nachrichtenagentur Mehr ordnete Peseschkian an, dass Sicherheitskräfte nicht gegen friedliche Demonstranten vorgehen sollen. Anders sei dies bei gewalttätigen Aufrührern. Der iranische Justizchef Gholam-Hussein Mohseni-Edschehi kündigte an, hart gegen die Demonstrierenden vorgehen zu wollen. "Randalierer" sollten kein Entgegenkommen erwarten.  Viele angesetzte Flüge in den Iran wurden aufgrund der Proteste gestrichen. Betroffen sind ‍mindestens sechs Verbindungen zwischen Dubai und ​iranischen Städten wie Teheran, Schiras und Maschhad. Die Regierung unterbrach Telefon- und Internetverbindungen.  Im Iran protestieren Menschen landesweit gegen die Staatsführung. Die Demonstrationen, die sich vor allem gegen die gescheiterte Wirtschaftspolitik richten, hatten Ende Dezember auf dem Großen Basar von Teheran begonnen und sich ausgebreitet auf Universitäten und andere Städte.