Datum09.01.2026 06:00
Quellewww.zeit.de
TLDRIn Hamburg wurde eine Unwetterwarnung wegen starker Schneefälle und Schneeverwehungen ausgegeben. Bürgermeister Tschentscher rief die Bürger dazu auf, unnötige Wege zu meiden. Schulen bleiben geschlossen und der öffentliche Verkehr, einschließlich Bahnen und Flugzeuge, ist stark eingeschränkt. Die Feuerwehr und Krankenhäuser bereiten sich auf Notfälle vor. Meteorologen warnen vor blizzardartigen Bedingungen, während der Prozess gegen den mutmaßlichen Pädokriminellen "White Tiger" beginnt. Der Newsletter erscheint wieder montags bis freitags.
InhaltDie Elbvertiefung am Freitag – mit allem, was Sie über den Schneesturm wissen müssen, und dem "White Tiger"-Prozess Liebe Leserin, lieber Leser, wegen der für heute erwarteten Schneefälle und Schneeverwehungen hat der Deutsche Wetterdienst für Hamburg eine Unwetterwarnung herausgegeben: Es bestehe Gefahr für Leib und Leben, heißt es darin. Der Senat ruft die Hamburgerinnen und Hamburger auf, heute möglichst zu Hause zu bleiben – bei prognostizierten bis zu 15 Zentimeter Neuschnee und Schneeverwehungen sollten sie "auf nicht unbedingt nötige Fahrten verzichten und bei Aufenthalten im Freien, insbesondere bei der Teilnahme am Straßenverkehr, besondere Vorsicht" walten lassen, hieß es. Der Winterdienst der Stadtreinigung sei seit Tagen im Dauereinsatz. Die Feuerwehr Hamburg stelle sich ebenfalls auf vermehrte Einsätze ein. Zudem hätten die Krankenhäuser bereits ihr Personal in der Unfallchirurgie und den Notaufnahmen aufgestockt. Wir haben in diesem Newsletter alle relevanten Einschränkungen des öffentlichen Lebens zusammengestellt. Aber natürlich bleibt die Frage: Wer ist schuld an dieser Situation? Dazu möchte ich folgende Angaben machen: Meine Tochter, vier Jahre alt, ist seit etwa einem Jahr komplett verschossen in Elsa, die Eiskönigin aus dem gleichnamigen Disney-Film. Elsa kann Schlösser aus Eis zaubern, Schneestürme herbeihexen und so weiter. Wenn sie groß sei, wolle sie auch Eiskönigin werden, sagte meine Tochter neulich. Vor ein paar Tagen standen wir demzufolge auf dem Balkon, eine von uns war kostümiert und hat mit ihrem Elsa-Zauberstab einen Elsa-Kältezauber performt. Bis Redaktionsschluss war noch nicht absehbar, wie sich die Lage heute tatsächlich entwickelt – aber wenn es auch nur ein bisschen stürmt, wird eine von uns sehr stolz sein. Und Sie wissen dann, wer die Verantwortung für den Sturm trägt: ich. Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende, kommen Sie gut durch! Ihr Florian Zinnecker PS: Diese Ausgabe der Elbvertiefung ist die letzte für diese Woche, von jetzt an erscheint dieser Newsletter wieder montags bis freitags, wie gewohnt um 6 Uhr morgens. Unser Podcast erscheint natürlich weiterhin am Samstag – in dieser Woche spreche ich mit meiner Kollegin Kristina Läsker über Hamburg als Rüstungsstandort, die Folge können Sie heute ab 17 Uhr hier hören. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, worüber wir berichten sollten? Schreiben Sie uns eine E-Mail an hamburg@zeit.de. Wegen der erwarteten starken Schneefälle hat sich Bürgermeister Peter Tschentscher an die Bevölkerung gewandt und um Mithilfe gebeten. "Vermeiden Sie unnötige Wege und aufschiebbare Termine. Stellen Sie sich auf die Witterungsbedingungen ein", sagte Tschentscher. "Achten Sie auf Ihre Nachbarn und Mitbürger, denn gemeinsam bewältigen wir die Lage in den nächsten Tagen am besten." Wie die Schulbehörde mitteilt, bleiben am heutigen Freitag alle Schulen in Hamburg geschlossen. In einem Schreiben bat Landesschulrat Thorsten Altenburg-Hack, alle Kinder und Jugendlichen bis zur sechsten Klasse mit Unterrichtsmaterialien auszustatten oder einen möglichen Onlineunterricht vorzubereiten. Außerdem müsse sichergestellt sein, dass es eine Ganztagsnotbetreuung gebe. Für die Klassen 7 bis 13 solle ein digitales Unterrichtsangebot gemacht werden. Geplante Prüfungen müssten abgesagt werden. Beim Bahnanbieter Metronom fallen heute mehrere Züge der Linien Bremen–Hamburg und Hamburg–Uelzen aus. Laut Mitteilung sind zunächst sieben Verbindungen am Morgen betroffen. Eltern von Kita-Kindern müssen sich heute auf eingeschränkte Betreuungszeiten einstellen. "Wir rechnen damit, dass viele unserer Mitarbeitenden wegen Schnee und Eis morgen ihre Arbeit nicht erreichen können", erklärte die Elbkinder Vereinigung Hamburger Kitas als größter Kita-Träger der Hansestadt. Der Park Planten un Blomen bleibt bis zum 12. Januar gesperrt. Die Eisbahn ist nach Angaben der zuständigen Behörde hingegen weiterhin geöffnet. Am Flughafen Hamburg kommt es zu erheblichen Einschränkungen im Luftverkehr. Da auch andere Airports und Drehkreuze von Extremwetter betroffen seien, sei einiges durcheinandergewirbelt worden, sagte eine Sprecherin. Es komme zu teils deutlichen Verspätungen. Ab einer Schneehöhe von zwei Millimetern müssten die Start- und Landebahnen geräumt werden. Je nach Lage könne dies rund eine halbe Stunde in Anspruch nehmen – bis zu zehnmal am Tag. Die Rufbusse des Unternehmens Moia haben den Verkehr vorübergehend eingestellt. Wann der Betrieb wiederaufgenommen wird, wurde nicht mitgeteilt. Angesichts erheblicher Betriebseinschränkungen hat die S-Bahn Hamburg dazu aufgerufen, auf alle nicht unbedingt nötigen Fahrten zu verzichten. Seit Donnerstagnachmittag kommt es auf allen Linien zu Verspätungen und Ausfällen, heißt es auf der S-Bahn-Website. Derzeit sei man bemüht, einen eingeschränkten regelmäßigen Betrieb zu gewährleisten. Der ADAC rät, das Auto am Freitag möglichst stehenzulassen. Wer trotzdem mit dem Auto fahren müsse, solle langsam fahren und Abstand halten. Da viele Nebenstraßen aufgrund von Schnee und Eisglätte nicht gefahrlos befahrbar sind, kommt es zu Einschränkungen bei der Müllabfuhr. Dort, wo derzeit kein Müll abgeholt werden kann, hat die Stadtreinigung angeboten, bei der nächsten Leerung Beistellungen in angemessenem Maße mitzunehmen. Die Universität rät für heute von Präsenzveranstaltungen ab. "Wenn es möglich ist, werden Lehrende gebeten, ihre Lehrveranstaltungen digital durchzuführen", heißt es in einem Schreiben der Hochschulleitung. Sollte das nicht möglich sein, solle sich eine Abwesenheit von Studierenden nicht nachteilig auswirken. Der Schwimmbadbetreiber Bäderland schränkt seinen Betrieb aufgrund hoher Schneelasten auf den Dächern der Bäder deutlich ein. Von Freitag bis Montag ist ein Notbetrieb geplant – nur die Alsterschwimmhalle, das Billebad und die Schwimmbäder Festland, Inselpark und Ohlsdorf sind an diesen Tagen geöffnet. 10 bis 15 Zentimeter Schnee, starker Wind: Der Meteorologe Christian Paulmann erklärt, wie heftig es im Norden wird – und was alle jetzt besser lassen sollten. Die Fragen stellte ZEIT-Redakteur Yannick Ramsel. DIE ZEIT: Herr Paulmann, worauf müssen sich die Menschen in Norddeutschland in den kommenden Tagen gefasst machen? Christian Paulmann: In der Nacht zum Freitag setzt von Süden her Schneefall ein. Dieser breitet sich in Richtung Elbe aus und überschreitet den Fluss am Freitagvormittag, kommt aber nur bis zur Mitte von Schleswig-Holstein, weil starker Ostwind dagegenhält. Es werden zehn bis 15 Zentimeter Schnee dazukommen, lokal kann es auch mehr sein. Man wird die Schneehöhe aber gar nicht so messen können, weil es durch den Wind zu starken Verwehungen kommt. Im Binnenland kann er Stärke 5 erreichen, teilweise sogar Stärke 6, an den Küsten bis zu Stärke 9. ZEIT: Inwiefern verschärft sich die Lage dadurch, dass es nicht nur stark schneit, sondern auch stürmt? Paulmann: Wenn der Schnee nur einfach von oben nach unten fällt, würden 15 Zentimeter nicht wirklich viel ausmachen, die liegen ja vielerorts jetzt schon. Aber durch den Wind dazu und die niedrigen Temperaturen ist der Schnee in den nördlichen Landesteilen sehr trocken. Da wird jede Flocke vom Wind mitgenommen, der Schnee sammelt sich an Hindernissen. Wenn sich etwa ein Lkw auf der Autobahn querlegt und es zu einem Stau kommt, ist die große Gefahr, dass die Lücken zwischen den Autos gefüllt werden. Dann gehts nicht mehr nach vorne und hinten. Verdichteter Schnee ist ultraschwer und ultrafest. ZEIT: Was ist das richtige Wort für das, was uns erwartet? Eisregen, Schneesturm oder, die noch stärkere Form, ein Blizzard? Paulmann: Wir haben ein Sturmtief, das vom Seegebiet südwestlich von Irland über den englischen Kanal und Benelux in Richtung Mitteldeutschland zieht. Und dann haben wir ein kräftiges Hochdruckgebiet über Skandinavien. Der Wind entsteht zwischen diesen beiden Druckgebilden. Und da liegen wir. Der Begriff Schneesturm passt daher am besten. An der Küste kann es teils zu Blizzard-artigen Bedingungen kommen. Aber das Wort Blizzard beschreibt eigentlich ein eigenständiges Tiefdruckgebiet. ZEIT: Was ist das Gefährliche an der Situation? Paulmann: Zum Beispiel Bäume, die vom schon gefallenen Schnee belastet sind und umfallen können. Durch die Luft fliegende Gegenstände. Und wenn man festsitzt, bei gleichzeitigem Frost, kann man natürlich durchaus in Lebensgefahr schweben. Glätte spielt eine untergeordnete Rolle. Wie der Experte die Wetterlage historisch einordnet und was er den Menschen in Hamburg konkret rät,lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung auf zeit.de. "Ein Beamter, der einige dieser Clips gesehen hat, die zeigen sollen, wie sich Kinder auf Kommandos von Shahriar J. selbst verletzten, sagt: ›Man denkt nur: Das ist der Teufel.‹" In Hamburg beginnt der Prozess gegen den mutmaßlichen Pädokriminellen "White Tiger". Kann das Gericht die grausamen Taten aufklären? ZEIT-Redakteur Christoph Heinemann begeleitet den Prozess. In der Gesprächsreihe "Wir müssen reden" im Thalia Theater hat ZEITmagazin-Chefredakteur Sascha Chaimowicz das Ehepaar Saba-Nur Cheema und Meron Mendel zu Gast. Er möchte von dem muslimisch-jüdischen Paar wissen, wie beide auf die sich immer weiter polarisierende Welt blicken und ob sich nach der Veröffentlichung ihres Buches Muslimisch-jüdisches Abendbrot – Das Miteinander in Zeiten der Polarisierung 2024 gesellschaftliche Prozesse zum Positiven entwickelt haben. Cheema ist Politologin und Beraterin der Bundesregierung zu Islamfeindlichkeit, Mendel ist Professor und Leiter der Bildungsstätte Anne Frank. Sonntag, 11. Januar, 11.30 Uhr; Thalia Theater, Alstertor; Tickets gibt es hier An einer Ampel in Hamburg-Eppendorf. Ein Vater und zwei Kinder warten auf grünes Licht. Ein Radfahrer wartet nicht; er fährt rüber. Sagt ein Kind: "Papa, der ist bei Rot gefahren." Papa: "Ja, der darf das." Kind: "Warum?" Papa: "Der hat keine Pflicht, bei Rot zu halten. Kinder schon." Gehört von Margret Silvester Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren.