Datum08.01.2026 22:59
Quellewww.spiegel.de
TLDRDie venezolanische Regierung hat die Freilassung zahlreicher politischer Häftlinge, darunter prominente Oppositionelle wie Juan Pablo Guanipa und Rocío San Miguel, angekündigt. Dies geschieht nur fünf Tage nach einer US-Militärintervention. Offizielle Bestätigungen fehlen, jedoch berichtet die Menschenrechtsorganisation Foro Penal von rund 800 politischen Gefangenen in Venezuela. Die Aktion wurde als Schritt "auf der Suche nach Frieden" bezeichnet. Die Oppositionsführerin María Corina Machado betont, dass ein Wandel im Land ohne die Freilassung dieser Gefangenen unmöglich sei.
InhaltDie venezolanische Regierung kündigt die Freilassung zahlreicher Gefangener an – darunter prominente Oppositionelle aus dem berüchtigten El-Helicoide-Gefängnis. Über 800 Menschen sollen aus politischen Gründen in Haft sitzen. Nur fünf Tage nach der US-Militärintervention in Venezuela hat die venezolanische Regierung die Freilassung einer großen Zahl venezolanischer und ausländischer Gefangener angekündigt – unter ihnen sind Medienberichten zufolge auch prominente Oppositionelle. Einer von ihnen sei Oppositionspolitiker Juan Pablo Guanipa, eine andere die Menschenrechtlerin Rocío San Miguel, berichtete unter anderem die Zeitung "El Nacional". Offiziell bestätigte Freilassungen gibt es noch nicht. Parlamentspräsident Jorge Rodríguez sagte bei der Ankündigung, dies sei eine Geste "auf der Suche nach Frieden". Um welche und wie viele Häftlinge es sich genau handelt, sagte der Bruder der geschäftsführenden Präsidentin Delcy Rodríguez nicht. "Wir wissen, dass einige Personen bereits auf dem Weg in die Freiheit sind, darunter Ausländer", schrieb der Leiter von Foro Penal, Alfredo Romero, auf X. "Wir werden jede Freilassung überprüfen." Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Foro Penal gibt es in dem südamerikanischen Land rund 800 politische Häftlinge. Viele waren bei den Protesten gegen die von Betrugsvorwürfen überschattete Wiederwahl des autoritären Staatschefs Nicolás Maduro 2024 festgenommen worden. Internationale Organisationen und Aktivisten werfen den venezolanischen Sicherheitskräften schwere Menschenrechtsverletzungen vor. Unter jenen, die nun freigelassen werden sollen, ist den Medienberichten zufolge auch Rafael Tudares, der Schwiegersohn des Oppositionspolitikers Edmundo González Urrutia. Der 76 Jahre alte Ex-Diplomat hatte bei der Präsidentenwahl vor eineinhalb Jahren nach Einschätzung der Opposition und internationaler Beobachter eigentlich gegen Maduro gewonnen. Die venezolanische Menschenrechtsaktivistin und Mitbegründerin der NGO Gerechtigkeit, Begegnung und Vergebung, Martha Tineo, sagte in einem Interview, dass Gefangene aus dem Gefängnis El Helicoide entlassen würden. Die Haftanstalt gilt als die berüchtigtste des Landes. Dort sollen Agenten des Inlandsgeheimdienstes Sebin Oppositionelle und Regierungsgegner misshandelt und gefoltert haben. Die venezolanische Regierung hatte bereits an Weihnachten und Neujahr Dutzende politische Häftlinge freigelassen. Die Friedensnobelpreisträgerin und Oppositionsführerin María Corina Machado hatte zuletzt in einem Interview die Notwendigkeit der Freilassung politischer Gefangener als wesentlichen Punkt betont, um einen Wandel im Land zu erreichen. "Es kann keinen Übergang mit politischen Gefangenen geben", sagte sie. Am vergangenen Wochenende hatten US-Soldaten Maduro festgenommen und in die Vereinigten Staaten gebracht. Dort soll ihm wegen Drogendelikten der Prozess gemacht werden. Seine Nachfolgerin Rodríguez gilt als treue Anhängerin Maduros und hat die Gefangennahme als völkerrechtswidrige Aggression verurteilt.