Laurent Vinatier aus russischer Haft zurück in Frankreich

Datum08.01.2026 17:25

Quellewww.spiegel.de

TLDRLaurent Vinatier, ein französischer Wissenschaftler, wurde im Rahmen eines Gefangenenaustauschs aus russischer Haft freigelassen. Er war wegen angeblicher Spionage verurteilt worden und drohte eine Strafe von bis zu 20 Jahren. Im Tausch kam der russische Basketballspieler Daniil Kasatkin, der mit Hackeraktivitäten in Verbindung steht, zurück nach Russland. Vinatier, der für eine NGO arbeitet, wurde im Juni 2024 festgenommen, und sein Fall wird als Teil einer größeren Praxis Russlands gesehen, ausländische Staatsbürger als Geiseln zu nutzen.

InhaltWegen angeblicher Spionage drohte ihm eine Strafe von 20 Jahren: Wissenschaftler Laurent Vinatier ist im Austausch gegen einen russischen Sportler freigekommen, der einem Hacker-Netzwerk angehören soll. Der Franzose Laurent Vinatier ist bei einem Gefangenenaustausch aus russischer Haft freigekommen und wieder in Frankreich. Russland hatte dem Politologen und früheren NGO-Mitarbeiter Spionage vorgeworfen. Vinatier sei in Paris gelandet, hieß es im französischen Außenministerium. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sprach Vinatiers Angehörigen sein Mitgefühl aus und bedankte sich bei den Diplomaten, die sich für dessen Freilassung eingesetzt hatten. Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung. Zuvor hatte der russische Inlandsgeheimdienst FSB gemeldet, dass der in Frankreich inhaftierte russische Basketballspieler Daniil Kasatik freigelassen worden und in seine Heimat zurückgekehrt sei. Er sei gegen Vinatier "ausgetauscht" worden, hieß es in der von russischen Nachrichtenagenturen verbreiteten Erklärung des FSB. Kremlherrscher Wladimir Putin habe Vinatier begnadigt. Der FSB verbreitete zudem ein Video, auf dem zu sehen ist, wie der 49 Jahre alte Vinatier das Gefängnis verlässt und zu einem Flughafen gebracht wird. Dort steigt aus einem Flugzeug der Basketballer Kasatkin aus, der lächelnd seine Hand ausstreckt. "Es ist eine riesige Erleichterung", sagte der Anwalt Frédéric Bélot, der sowohl die Angehörigen Vinatiers als auch Kasatkin vertritt. Der NGO-Mitarbeiter Vinatier war im Juni 2024 in Russland festgenommen worden. Im Oktober wurde er zu drei Jahren Haft in einer Strafkolonie verurteilt, weil er Informationen über das russische Militär gesammelt haben soll, ohne sich zuvor als "ausländischer Agent" angemeldet zu haben. Der mit einer Russin verheiratete Vinatier hatte vor Gericht erklärt, er habe davon nichts gewusst. Später erhoben die russischen Behörden weitere Vorwürfe gegen ihn, die mit bis zu 20 Jahren Haft hätten bestraft werden können. Im Dezember hatte der Kreml dann überraschend angekündigt, im Fall Vinatier einen "Vorschlag" unterbreitet zu haben. Der Experte für Russland und ehemalige Sowjetstaaten arbeitet für die Schweizer Organisation Zentrum für Humanitären Dialog (HD), die sich für die Vermittlung in Konflikten jenseits der diplomatischen Kanäle einsetzt. Kasatkin war seinerseits bei seiner Ankunft mit seiner Verlobten im Juni 2025 in Paris festgenommen worden. Er saß seitdem in Auslieferungshaft und sollte in die USA ausgeliefert werden. Diese werfen ihm vor, zu einem Hacker-Netz zu gehören, das zwischen 2020 und 2022 etwa 900 Unternehmen und Institutionen durch Schadsoftware angegriffen haben soll. Der Profi-Sportler hatte zeitweise in den USA gelebt. Er wies die Vorwürfe zurück. In den vergangenen Jahren wurden in Russland mehrere ausländische Staatsbürger festgenommen. Westliche Staaten werfen Moskau vor, diese als Geiseln zu nehmen, um sie gegen im Westen inhaftierte Russen auszutauschen.